Sven Brux, St. Pauli Urgestein, Fanbeauftragter und schon seit geraumer Zeit an der Stromkante zwischen Verein und Fanschaft Wandelnder, hat gestern eine offizielle Erklärung zum Dauerkarten-Debakel (Südkurve) veröffentlicht. Nachfolgend die für mich wichtigste Passage:
“Anders als im letzten Jahr war allerdings, dass sich im Verlauf des Vormittags etliche (die Schätzungen gehen ja bis 500) Leute schlicht und ergreifend vorgedrängelt haben. Um es deutlich zu sagen: Dies ist auch aus Sicht des Vereins schlicht nur als asozial zu bezeichnen. Ein solch unsolidarisches Verhalten sollte eines St. Pauli Fans nicht würdig sein! Auch einige andere Verhaltensweisen in oder an der Warteschlange mussten wir mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen und daraus die Erkenntnis ziehen, dass sich offensichtlich nicht wenige unserer Fans genauso benehmen, wie sie es von Teilen unserer Gesellschaft vorgelebt bekommen: Ellbogen raus und nach mir die Sintflut! Von der Lärmbelästigung unserer Nachbarn und dem Müllberg mal ganz zu schweigen.
Im Nachhinein ist dies nicht zu ändern, wir müssen nun aber sehen, dass wir für die Zukunft besser vorbereitet sind. Es sind in den letzten Tagen etliche Verbesserungsvorschläge unterbreitet worden, was den Tag der Karten- bzw. Quittungsausgabe betrifft. Das ein oder andere dabei ist durchaus überlegenswert. Am Ende bleibt jedoch leider die Erkenntnis: Egal, wie man es macht, zum Schluss wird sich definitiv irgendwer benachteiligt fühlen, weil das Grundproblem (zu wenig Karten) vorläufig nicht zu beseitigen ist. Auch der Ansatz, mit massivem Ordnereinsatz und etlichen Gittern die Warteschlange zu bändigen ist nicht wirklich glücklich. Was wäre am Samstag wohl passiert, wenn Ordner unter Einsatz vom sog. „unmittelbaren Zwang“ Vordrängler entfernt hätten? Ich glaube, das wollen wir uns alle lieber nicht vorstellen.
Was uns zusätzlich erschreckt hat: Einige Mail- oder Briefschreiber schießen in ihrem Frust etwas weit übers Ziel hinaus, beschimpfen in unnötig rabiater Art und Weise wahlweise den Verein, den Fanladen oder USP, teils vermischt mit abstrusen Unterstellungen. Wir erinnern daran, dass in den damaligen Gesprächen den Partnern von Fanladen und USP deutlich gesagt wurde, dass der Verein das Projekt sofort beenden wird, sollte es zu Unregelmäßigkeiten dahingehend kommen, dass die Kartenvergabe nach „Vitamin B“ abläuft, dass also das Prinzip „first come – first serve“ unterlaufen wird. Um es deutlich zu sagen: Etliche Mitglieder von USP haben ebenfalls keine Quittung erhalten. Aus den gleichen oben benannten Gründen, wie andere auch.
Wie gehen wir also nun damit um? Zunächst müssen wir erkennen, dass das Konzept der Südkurve schon da an Grenzen stößt, dass sich niemand nur freiwillig für diesen Stadionbereich um eine Karte bemüht, sondern oft schlicht deshalb, weil es durch den Stadionumbau bedingt keine andere Möglichkeit gibt, eine Dauerkarte zu erhalten. Wir haben uns mit den anderen Beteiligten in Ruhe hingesetzt und versucht, Möglichkeiten zu eruieren, zumindest für die kommende Saison eine Lösung zu finden, dass ein Teil der Leute noch mit Karten versorgt werden können, die am Samstag leer ausgegangen sind. Hierfür müssen aber zunächst eine ganze Menge Daten ausgewertet werden um herauszufinden, über welche Zahl wir reden. Von daher bitten wir um Geduld, da dieses Prozedere sich noch etwas hinziehen wird. Wir sind dran!”
Ich bin gespannt.
Originaltext: fcstpauli.com
Stellungnahme Fanladen/Ultra Sankt Pauli (USP) zum Dauer-Saisonkarten-Wochenende
Nach dem FC St. Pauli, durch Sven Brux’ Erklärung letzte Woche, meldet sich nun auch der Organisator der Vergabe der 2.000 Saison-Dauerkarten Südkurve zu Wort.
In der Einschätzung der Anzahl Vordrängler folgt USP der Wahrnehmung von Fans – demnach sind 1/4 der Karten erschwindelt und erdrängelt worden!
Als Mitansteher kann man dem Fanladen nur zustimmen in dem Resumée:
Die Erklärung im Wortlaut bei ab-in-den-Sueden.